Brief an die Musik

Liebe Musik,

du begleitest mich schon mein ganzes Leben lang. In guten und schlechten Zeiten. Deine Worte und deine Melodien sind so unterschiedlich, man findet für jede Situation ein passendes Lied. Du hilfst mir, wenn ich nicht mehr weiß, wohin mit all den Gedanken und Sorgen. Du bist meine Stütze, wenn ich auf dem Weg des Glücks hingefallen bin. Du findest Worte, wenn ich schweige. Du sprichst aus, was sich niemand traut, aber was man nicht verschweigen kann. Du inspirierst mich, jeden Tag. Du lässt Tränen laufen und Lächeln hüpfen. Du machst gute Laune, gute  Gedanken und unterstreichst gute Tage.
Du bist immer da, wenn ich dich brauche. Ob Tag oder Nacht, du bist da. Du verleihst meinem Schweigen Worte. Du wirst immer da sein. Danke, dass deine Melodie mit meiner Melancholie im Regen tanz und lächelt. Danke, dass deine Worte meine Gedanken an die Hand nehmen und ihnen fliegen beibringen. Danke, dass du anders bist. Danke, dass du bewegst, die Welt still stehen lässt oder ein Lächeln zauberst.

Du bist meine große Liebe, seitdem ich denken kann.

 

Die Koffer gepackt und doch ohne Ziel.

“Ich verschwinde.”, flüsterte sie, als sie die letzte Zigarette rauchte. Das letzte Mal auf dem geliebten Balkon mit den schönen Blumenbezug über den Stühlen. Das letzte Mal der Ausblick auf den Hinterhof ihres geliebten Hauses.
Sie stürmte in die Wohnung, sie schlich lautlos über die kalten Fließen im Bad, um all ihre Sachen leise in die pinke Waschtasche, die sie seit ihrem fünftem Lebensjahr hatte, zu schmeißen.  Sie ging in ihr Zimmer, holte den Koffer aus dem Schrank und legte ihre Klamotten sorgfältig zusammen. Ihr Lieblingsoutfit, welches aus der schwarzen Hose und dem schwarzweißen T-Shirt bestand, zog sie an. Sie macht den Schal um, den ihr ihre Mutter letztes Jahr strickte. Die Fotos reißt sie von der Wand. Packt alles ein. Alle Erinnerungen nimmt sie mit.
All ihr Gespartes packt sie in das kleine Geldbeutelchen. Es platzt fast. Dann schreibt sie einen Zettel. Ihr kleinen, zarten Hände gleiten zitternd über das Papier und sie schreibt ihre Worte:

Liebste Eltern, Verwandte und Freunde,

ihr fragt euch sicher, wo ich bin. Ich weiß es selbst nicht so genau. Ich kann so nicht mehr glücklich sein. Ich muss hier weg, weit weg von all dem, was mich immer hier gehalten hätte.
Ich danke euch, für alles. Macht euch keine Sorgen. Vielleicht zieht es mich in ein kleines Dorf an der Küste Amerikas. Vielleicht zieht es mich auch nach Australien oder eine kleine Insel, mitten im Ozean. Sobald ich angekommen bin, werde ich mich melden. Ich werde mir ein neues Leben aufbauen, ein neues Ich. Ein Ich, welches ich lieben kann.
Verzeiht mir bitte. Bis bald.

Sie legt den kleinen Zettel auf den Wohnzimmertisch, packt ihre Schlüssel ein, wieso auch immer, und verlässt leise das Haus. Wohin es geht, weiß sie nicht genau. Aber sie genießt das Gefühl der Freiheit.

Die Koffer gepackt und doch ohne Ziel raus, in die kalte Welt der einsamen Freiheit.

Du bist schon viel zu lange weg.

Ich stehe auf, dusche, putze die Zähne, mache die Haare, schminke das verschlafene Gesicht. Ich trinke den Kaffee, rauche die Zigarette.
Ich verlasse das Haus, erledige die Wege, kehre zurück und der Tag ist zu Ende. Jeden Tag.
Die Wohnung riecht nicht mehr nach dir, den Kaffee machst du nicht mehr, die Wege erledigen wir nicht mehr gemeinsam. Deine Seite des Bettes ist gemacht, deine Klamotten liegen nicht mehr in der Wohnung verstreut.  Deine Zahnbürste steht nicht mehr auf dem Waschbeckenrand. Deine Hausschuhe liegen nicht mehr im Flur. Der Geruch deiner wahren Lügen hängt nicht mehr in der Luft. Deine Notizzettel hängen nicht mehr am Kühlschrank. Es kommt keine Post mehr für dich. Es ruft niemand mehr an und will dich sprechen.
Niemand mehr, der dich sehen kann. Niemand mehr, der mit dir reden kann. Niemand mehr, dem du nicht fehlst. Niemand mehr, der dich hören kann.
Die Bilder stauben ein, die Erinnerungen kommen jede Nacht. Der Himmel öffnete sich für dich und schloss dich ein.  Deine Schmerzen wurden dir genommen und mir gegeben. Du bist frei, du bist der Vogel dort am Himmel, der unbeschwert seine Runde dreht, um zu sehen, wie es geht, ohne dich. Stillstand.

Du bist schon viel zu lange weg.

 

kalte Aprilnächte

Draußen, in der Kälte, weht der kühle Nachtwind. Drinnen hängen die Erinnerungen in der Luft. Im Himmel sitzt du. Ich höre dich nicht, ich sehe dich nicht. Aber ich weiß, dass du da bist. Überall.
Die Zigarette glüht vor sich hin und der Regen beginnt, die Straßen zu putzen. Die Zeichnungen der Kinder mit Kreide verschwinden und verschwimmen auf dem Asphalt, genau wie die Bilder von dir in meinem Kopf. Die letzten Bilder, die ich eingefangen habe. Die letzten Worte, die ich gehört habe. Aus deinem Mund, wie deine Lippen sie gesagt haben. Wie du gelächelt hast, wie du geflucht hast.
Tausend Bilder rasen an mir vorbei, als wären sie echt. Und dann stehst du wieder vor mir. Ich will nach dir greifen, aber fasse ins Leere. In die Kälte der Nacht.
Dann ist die Sehnsucht am größten. Wenn der Regen fällt und die Zigarette ausgeht. Wenn die Bilder im Kopf sind und die Worte im Ohr hängen. Wenn ich die Wahrheit aussprechen will, aber du sie nie mehr hören können wirst.

In einer kalten Aprilnacht. 

ein lächeln

heimlich, unbemerkt und leise
kriecht an den füßen
auf schleichende art und weise
es hoch bis an die waden

an den waden
krabbelt es unaufhaltsam
ohne schaden
bis zu dem po hinauf

am po angekommen
klettert es weiter
hektisch und benommen
in die höhe bis zum bauch

erreicht hat es den bauch
und zieht sich hoch
mit einem hauch
von glück
bis ans genick

dann spingt es ins gesicht
auf die zarten lippen
deines ichs

es nistet dort
fröhlich und voller freude
geht es nicht mehr fort

es ist angekommen

das lächeln

Marmeladenglasmomente

Marmeladenglas auf. Moment einfangen. Marmeladenglas zu.
Es sind diese Momente im Leben, die fliegen lassen. Ohne das Gefühl, jeden Moment am Rande des Glücks herunter zu fallen. Momente, in denen das Herz so lebendig schlägt, so laut pocht, dass es man es hören kann. Wie es einem fast aus dem Leibe springt und lachend durch die Straßen laufen möchte.
Momente, in denen man lächeln muss. In denen das Gesicht voller Lachfalten ist, die uns zeichnen.
Momente, in denen deine Sorgen überall sind, nur nicht dort, wo du gerade bist. Wo alles ausgeblendet wird und du das Leben schmeckst. Momente, in denen dein Kopf leer ist und doch so voller Freude.
Momente, wo die Wolken aus Zuckerwatte sind. Wo all der Hass, all die Gedanken einfach weg sind. Schwerelos läuft man durch die Straßen, mit den richtigen Menschen an der Hand. Den richtigen Worten auf der Zunge.
Momente, Menschen, deren Gerüche man einfangen will. Deren Küsse man sammeln, deren Umarmungen man ewig halten möchte. Marmeladengläser, in denen man all diese kleinen Erinnerungen, an jede Sekunde, aufbewahren und in schlechten Zeiten rausholen möchte.
Momente, die all die grauen Tage wert waren. Die uns am Leben halten.
Momente, in denen die Welt ein kleines bisschen perfekt ist.

20 Dinge, die sowieso niemanden interessieren.

Aus Gründen werde ich diese Liste jetzt machen. Ebenso wie @girlontravel. Hier übrigens ihr toller Blog: http://girl-on-travel.blogspot.com/

1. Kaugeräusche machen mich aggressiv.
2. Wenn ich nicht vor dem Schlafengehen eine rauche, bin ich am nächsten Morgen total angepisst.
3. Vor dem Schlafengehen muss ich lesen, damit ich schlafen kann.
4. Wenn ich beim Fertigmachen im Bad keine Musik höre, bekomme ich schlechte Laune.
5. Meine Lieblingslieder höre ich mindestens einmal am Tag.
6. Auf Bildern nehme ich meine Brille ab.
7. Ich versuche, jeden Tag mindestens eine Folge ”How I met your Mother” zu gucken.
8.  Ich habe mich schon zwei mal bei X-Factor beworben, habe vor den Castings aber kalte Füße bekommen. (Dieses Jahr gehe ich vielleicht hin.)
9. Ich trinke Wodka am liebsten pur.
10. Wenn ich gute Laune habe, tanze ich singend durchs Wohnzimmer. Mit einer Bürste als Mikrofon.
11. Wenn Menschen weinen, weine ich immer mit.
12. Ich liebe es, wenn man am Geruch erkennt, dass eine andere Jahreszeit ist.
13. Ich frühstücke (fast) nie.
14. Wenn ich Schnupfen habe, schnarche ich ganz leise, wenn ich schlafe.
15. Ich trage sogar im Sommer einen Schal.
16. Ich habe den Film ”Beim Leben meiner Schwester” vier mal in zwei Tagen geschaut und insgesamt 10 Packungen Taschentücher verbraucht.
17. Wenn ich weggehe, glühe ich immer mit einer Flasche Sekt vor.
18. Bevor ich aus dem Haus gehen, pose ich immer vorm Spiegel.
19. Ich kann keine Horrorfilme gucken, weil ich sonst einen Nervenzusammenbruch bekomme.
20. Ich habe wegen diesen Punkten jetzt noch mehr Angst vor mir selbst.

Darf ich um den letzten Tanz bitten?

Noch einmal eine Überdosis du. Noch einmal dein Atem hören, spüren, aufschnappen. Nachts, neben dir. Alleine. Gemeinsam. Verloren.
Ein letztes Mal mit dir tanzen. Über die menschenleeren Straßen der Nacht. Im Sommerregen, im Schnee. Zwischen dem braunem Laub und den Blumen. Einmal noch deine Lippen küssen, deinen Kopf streicheln. Barfuß über die Scherben unseres Lebens laufen. Blutige Füße, Sorgen wegküssen, Worte sprechen. Nichts ungesagt lassen. Ein letztes Mal deine an deinen Haaren riechen, die Träume leben, den Alltag vergessen. Auf der Wiese liegen, die Sterne anschauen, die Welt einfach passieren lassen. Nur du, nur ich. Nur wir. Niemals wir.
Was ist mit den Träumen passiert? Mit unseren Träumen? Die Welt sehen, das Leben schmecken, fühlen, sehen, riechen. Uns haben. Uns finden, wieder verlieren.
Waren wir die ganze Zeit gemeinsam einsam? Allein, obwohl wir zu zweit waren? Still, obwohl wir hätten schreien müssen? Fühlen, statt ignorieren? Leben, statt sterben? Täglich ein bisschen mehr. Hätten wir nicht lieben müssen? Hätten wir nicht diese Welt zu unserer machen müssen? Hätte, hätten, hätten.
Getan haben wir letzten Endes nichts, außer uns zerstört, belogen, gehasst. Ich mich und du dich. Bis wir uns verloren. In unserem Wir.

Ich habe dir vergeben.

Wir wussten beide, dass wir es nicht aufhalten können. Wir wussten beide, dass dein Lebenswille schwächer ist, als diese Krankheit. Wir wussten beide, dass wir hätten leben müssen. Doch wir starben. Jeder auf seine eigene Art und Weise.
Du wolltest, dass ich gehe. Du wolltest, dass ich loslasse und glücklich bin. Du wolltest mir nicht wehtun, aber hast es getan – jeden Tag.
Ich verstand nie, wie ein Mensch so kühl sein kann, so herzlos, so stumm. So lebensmüde. So nah am Abgrund stehend. Bis ich selbst so wurde. Bis ich selbst mein Herz aufgab. Mich aufgab. Bis ich mir egal wurde und was mit mir passiert.
Ich habe dich so oft verflucht, dich so oft gehasst für all die schlaflosen Nächte, den vielen Alkoholkonsum, die Tränen. Für jedes kalte Wort aus deinem Mund.
Ich wollte, dass du lebst. Ich wollte, dass du kämpfst und dich überwindest. Ich wollte da sein. Jeden Tag. Aber ich war es nie. Ich konnte nie deine Hand halten, wenn sie dich wieder ins Krankenhaus brachten. Ich konnte nie deinen Kopf streicheln, wenn du nachts nicht schlafen konntest. Ich konnte nie deinen Geruch einfangen. Ich konnte nie deine Lippen küssen und dir die Angst und den Schmerz nehmen. Ich konnte nur reden. Worte, die in dir viel bewegten, aber du nie Liebe zulassen wolltest.
Heute verstehe ich, wieso du das alles getan hast. All deine Worte, deine Zeichen, ich deute und verstehe sie. Ich spüre, wenn du hier bist und mir den Kopf küsst. Ich spüre deine Wärme. Ich weiß, dass du hier bist. Überall. Und doch nirgendwo.

Ich habe dir vergeben.

 

Mit dir, ohne dich.

Mir dir wollte ich
den Tag beginnen,
die Nächte verbringen.
Die Ewigkeit erobern,
auf den Wolken tanzen.
Den Sommer riechen,
den Winter fühlen.
Das ziel erreichen,
den Weg gehen.
Die Worte sprechen,
die Liebe lieben,
die Gefühle fühlen.
Das Leben leben.

Mit dir wollte ich glücklich sein.

Und doch gehe ich allein.
Mit dir. Ohne dich.


(Ich wünsche dir einen schönen Valentinstag, J. Wo auch immer du bist, ich denke an dich und schicke dir Millionen Luftküsse. <3) 

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